Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (Thomas Mann)

Veröffentlicht auf von liesdas

Leider zu offenkundig nur ein Fragment

 

Im Rahmen der Plagiats-Affäre des ehemaligen Verteidigungsministers zu Guttenberg wurden immer wieder Parallelen zum Hochstapler Felix Krull gezogen. Grund genug, dieses Buch für mich auf die Agenda der zu lesenden Werke zu setzen. Das Buch beginnt mit der Kindheit des Felix Krull, welcher sozusagen aus neureichen Verhältnissen stammt ehe der Betrieb des (auch schon hochstapelnden) Vaters ruiniert ist. Von frühester Kindheit an träumt der Schönling Felix Krull von höheren Weihen und nimmt immer wieder als Schauspieler "höher stehende" Rollen ein. Die Schilderung der Kindheit im ersten Buch weist mitunter Längen auf, ist aber dennoch weitestgehend gelungen. Nach dem Auseinanderbrechen des väterlichen Betriebs und dem Suizid des Vaters muss Krull in einem Pariser Hotel seinen Lebensunterhalt verdingen.  Unverdrossen arbeitet er aber weiter am gesellschaftlichen Aufstieg, mit legalen und illegalen Mitteln. Früh deutet sich dabei eine Art Doppelexistenz an. Insbesondere dieser Mittelteil, das zweite Buch, weiß zu überzeugen, ehe dann ein schwerfälliges letztes Drittel beginnt. Besonders in diesem merkt man dem Buch an, dass es sich hierbei nur um ein Fragment handelt. Mitunter zeigen sich sogar handwerkliche Mängel: So bleibt dem Leser unklar, warum Krull die Möglichkeiten adoptiert zu werden sowie reich einzuheiraten ausschlägt und stattdessen auf ein etwas weniger lukratives Angebot eingeht. Er nimmt in einer Art Scharade die Rolle des Marquise de Venosta ein, damit dieser sich einer Liebschaft widmen kann. In der Rolle des Marquise geht stattdessen Krull auf Weltreise. Diese beginnt mit einem ellenlangen Vortrag über die Evolution. In die Tochter des vortragenden Professoren verliebt sich Krull dann, wird aber auf den letzten Seiten des dritten Buches von deren Mutter verführt. Alles in allem ist vorwiegend das zweite Buch lesenswert, während insbesondere das dritte Buch weitestgehend ermüdend ist. Zahlreiche Handlungsstränge sind letztlich für den Fortgang der Handlung irrelevant und wären in einer endgültigen Fassung wohl noch gestrichen worden. Schwerfällig wirkt das Buch stellenweise auch durch die Schreibweise: Zwar ist das Buch Mitte des letzten Jahrhunderts entstanden, die Sprache wirkt jedoch deutlich antiquierter. Gewöhnungsbedürftig sind auch die teils längeren Gesprächspassagen in Französisch. Wenn man kein Deutschlehrer (bzw. deren Schüler) ist, dann muss man dieses Buch heute nicht mehr lesen. Wirkliche Parallelen zu von Guttenberg findet man übrigens auch keine.

 

Lesen? Lies das eher nicht!

Wer liest das? Deutschlehrer und Feuilletton-Kolumnisten

Lies-das Note: 4,0

 

Informationen:

  • Taschenbuch (399 Seiten)
  • Verlag: Fischer; (1989)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 3-596-29429-0

 

 

Tja, wie versprochen werden hier auch Klassiker nicht mit Samthandschuhen angefasst und ungeachtet ihrer Lesbarkeit als genial gepriesen. Was ist deine Meinung zu diesem Buch? Ist meine Rezension in deinen Augen vielleicht völliger Schwachsinn? Ich freue mich über deine Kommentare und Anmerkungen - vielleicht ergeben sich ja hitzige Diskussionen!

 

Werbung

Veröffentlicht in Rezensionen

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post